In diesem Moment hätte ich meine Schrotflinte aus meiner Umhängetasche ziehen sollen, um die Zeit des Wartens, die in meinen Augen wie eine Dunstwolke über der wartenden Menschenschlange hing, abzuknallen, bewusstlos zu treten und eventuell auszulachen. Stattdessen stellte ich mich artig an das unendliche Ende der Schlange und wartete.
Führe ich mir vor Augen, dass ungefähr ein Drittel meiner Vormittage aus einem Lebensumstand, des Wartens, besteht, wird mir etwas schlecht. Zusätzliche Übelkeit bereitet mir der Umgang mit dieser zeitaufwändigen Misere.
Ungeduld, Nervosität und reichlich Langeweile sind die Mitbringsel des Wartens. Zumindest denken wir an solche Empfindungen, wenn uns bewusst ist, dass wir gerade warten. Doch wie verhält es sich in Situationen, die uns unbewusst warten lassen. Wir warten unbewusst auf neue Ideen, auf unbeantwortete Klärungen, auf neue Erkenntnisse und doch bleibt dieses „Innere“ Warten in unserem Unterbewusstsein verborgen. Sie scheint nicht vorhanden zu sein, doch wenn wir auf unsere abgeknabberten Finger, unsere knetenden Hände oder unsere stillen Momente blicken, sehen wir, dass wir auch dieses Warten wahrnehmen können und es eventuell zu einem Vier-Augen-Gespräch laden. Ich habe viele ungeklärte Fragen: Kann man das „Innere“ Warten gegenüber dem „Alltagswarten“ als zeitverschlingender ansehen? Sind wir bewusst daran schuld, dass man zu viel Zeit im Leben mit Warten vergeudet? Können wir im Warten auch etwas gut tuendes sehen? Warte ich bereits jetzt schon unbewusst auf eine Niederlage?
Wann hört das Warten auf?